Quelle: BNN vom 10.7.2026 Wenn Bürokratie die Freiheit bedroht
„Wohin man geboren ist, dorthin ist man zuständig!“
Im Mittelpunkt von Ödön von Horváths Theaterstück „Hin und Her“ steht Ferdinand Havlicek, der nach dem Verlust seiner Drogerie aus seinem Heimatland ausgewiesen wird. Obwohl er dort jahrzehntelang gelebt und gearbeitet hat, gilt er plötzlich als unerwünscht. In sein Geburtsland darf er ebenfalls nicht einreisen, da er seine Staatsangehörigkeit nicht rechtzeitig erneuert hat. So bleibt er zwischen zwei Grenzen auf einer Brücke im Niemandsland gefangen.
Die Geschichte zeigt auf tragikomische Weise, wie Menschen durch starre Gesetze und Bürokratie ihre Menschlichkeit verlieren. Horváth verpackt dieses ernste Thema in einer Komödie, wodurch die Kritik an Behörden und gesellschaftlichen Zuständen besonders deutlich wird.
Regisseur Eike Zastrow bringt das selten gespielte Stück mit viel Lebendigkeit und Humor auf die Bühne. Das Bühnenbild besteht aus einer langen Brücke, die sich durch den gesamten Saal zieht. Dadurch sitzen die Zuschauer sehr nah am Geschehen und werden teilweise direkt angesprochen, was ihre Beteiligung verstärkt. Das Publikum reagierte begeistert.
Nils Willers überzeugt als gutgläubiger und hilfloser Havlicek, der den Regeln der Bürokratie ausgeliefert ist. Die beiden Grenzbeamten behandeln ihn wie einen Aktenvorgang statt wie einen Menschen und sorgen mit ihrem Verhalten für groteske und zugleich erschreckende Szenen. Die weiblichen Figuren setzen dazu einen menschlichen Gegenpol und bringen Mitgefühl sowie Hoffnung in die Handlung. Insgesamt gelingt der Inszenierung eine unterhaltsame und zugleich nachdenklich stimmende Umsetzung von Horváths Gesellschaftskritik.