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Förderpreis 2023

Tobias Bialluch wird für seine Darstellung des Jägerburschen Max im „Freischütz“ ausgezeichnet

Einen symbolischen „Scheck“ über 1.200 Euro übergeben die Freunde der Schlossfestspiele an den Preisträger Tobias Bialluch. Im Bild von links: Intendantin Solvejg Bauer, stellvertretende Vorsitzende Frauke Offele und ganz rechts Vorstandsmitglied Bernd Reinegger.
Bild und Text: Ulrich Krawutschke

Ettlingen. Intendantin Solvejg Bauer hatte es geheim gehalten, und so war Tobias Bialluch am Freitagabend auf der Bühne der Ettlinger Schlossfestspiele kurz vor der Aufführung der Oper „Der Freischütz“ völlig überrascht und fassungslos, als Frauke Offele vor gut besetzter Tribüne verkündete, dass ihm der mit 1.200 Euro dotierte „Förderpreis Junge Künstler“ der Freunde der Schlossfestspiele Ettlingen verliehen wurde.

Um die Überraschung zu garantieren, hatte Bauer beide Besetzungen der Oper auf die Bühne geholt. Bialluch war nicht nur der Beifall des ganzen Publikums sicher, auch seine Kolleginnen und Kollegen auf der Bühne klatschten frenetisch.

Frauke Offele hatte dem Publikum erklärt, dass der Preis im 40. Jahr der „Freunde“ bereits zum vierten Mal verliehen wurde und sich ausschließlich aus zusätzlichen Spenden der Mitglieder finanziert. Eine vierköpfige Jury hatte zwei Vorstellungen des „Freischütz“ – mit beiden Besetzungen – besucht und danach ohne lange Diskussion einstimmig den Förderpreis dem Nachwuchssänger Tobias Bialluch aus Niedersachsen zuerkannt.

Als zweiter Jägerbursche Max habe er, so Offele, mit seinem facettenreichen und strahlenden Tenor begeistert und „in der Rolle des frustbeschwipsten, verzweifelten Max auch darstellerisch überzeugt“. Diese Meinung hätten nicht nur die Jury, sondern auch viele andere Festspielbesucher vertreten. Frauke Offele brachte dem Publikum den Werdegang des Preisträgers näher, dessen künstlerische Entwicklung als Jugendlicher an Schlagzeug und Klavier sowie beim Singen in einer Jazz-Combo begonnen hat. Nach dem Abitur habe er zunächst Medientechnik und Gartenbauwissenschaft studiert, parallel aber schon klassischen Gesangsunterricht genommen. Erst mit 25 Jahren begann er 2013 auf Empfehlung von Professor Thomas Quasthoff mit der akademischen Stimmausbildung und schloss seinen Bachelor-Studiengang an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover mit der besten Gesamtnote des Studienjahrgangs ab.

Derzeit absolviert der Ausgezeichnete dort ein Master-Studium im Opernbereich. In der niedersächsischen Kapitale habe er auch die Liebe zum Musiktheater entdeckt. Sein Credo lautet: Emotionen transportieren, indem man singt und spielt.

Der Freischütz – Bericht von der Premiere

Ein Ausrutscher und viel überschwängliche Freude
BNN 24.6.2023, Redaktion: Rainer Obert

Die romantische Oper „Der Freischütz“ trifft bei vielen Besuchern ins Schwarze, und bei der Premierenfeier gibt es große Emotionen

Ettlingen. Premieren sind immer besonders bei den Schlossfestspielen. Diese Freischütz-Aufführung wird in mehrerlei Hinsicht dem Ettlinger Publikum, der Crew um Intendantin Solvejg Bauer wie auch den Darstellern auf der Bühne länger in Erinnerung bleiben. Richtiggehend überschwänglich froh ist Ettlingens Rathauschef Johannes Arnold (Freie Wähler) bei der Premierenfeier im festlichen Asamsaal nach dem teils stehenden Schlussapplaus: „Ich finde, Ötigheim kann so langsam einpacken“, beendet er mit einem Blick zu den Volksschauspielen eine Lobeshymne auf alle, die zum „Freischütz“ ihren Teil beitrugen. Raunen und Beifall sind ihm sicher.

„Wir sind begeistert, was wir heute erlebt haben“, so Arnold. In der Feststellung liegt wohl auch etwas Erleichterung. Dass die „Kugel“ der Oper Freischütz beim Publikum ins Schwarze getroffen hat und dass sie trotz Dauerregens über die Bühne ging. „Es war schon stressig“, hatte die Intendantin kurz nach Schluss noch im Schlosshof eingeräumt – die sich schon zur Begrüßung auf der rutschigen Bühne fast unfreiwillig hingelegt hätte. Wie nach einer Geburt scheinen danach alle Schmerzen vergessen. Auch die von „Ännchen“ alias Hannah Beutler. „Ich bin sehr glücklich.“ Obgleich sie blaue Flecken davongetragen habe, als sie aus vollem Lauf ausrutschte und auf dem Hosenboden landete. „Nichts anmerken lassen, weiter machen. Mit guten Kollegen geht das.“

Schon in der Pause nach dem ersten Teil loben viele Zuschauer „die tollen Stimmen“, als es danach in die stimmungsvoll ausgestaltete Wolfsschlucht geht, ist man ohnehin in den Bann gezogen. Die Videoprojektionen auf die Schlossfassade machen die Illusion perfekt, lobt etwa Thomas Kuhnle.

Eigens aus Hannover angereist ist die Professorin für Sologesang, Marina Sandel, von der Musikhochschule Hannover. „Ich bin zufrieden mit ihm, hat er gut gemacht“, bewertet sie den Auftritt von Tobias Bialluch als Jägerbursche Max. Der junge Hauptdarsteller ist ihr Schüler – und strahlt entsprechend. „Qualitäts-Check bestanden.“ Auch bei der ausgelassenen Premierenfeier wird viel übers Wetter geredet. „Wir lagen in der Wolfsschlucht in Pfützen.“ Der Kommentar des bestens gelaunten Bürgerchor-Sängers Matthias Neumann verdeutlicht, wie alle zusammen der Nässe trotzten. „Es wurde viel geföhnt hinter der Bühne“, verdeutlicht Regieassistent Jonas Mangler. Der auch die Technik im Blick hatte. „Da kann jederzeit ein Kurzschluss passieren.“ Lob geben die Bürgerchor-Sängerinnen Marianne Nies und Beate Groß direkt an Bernard Bagger weiter, der beim Einstudieren richtig positiv fordere. „Alle waren voll dabei, und sie haben’s geschafft“, betont Bagger. Etwa 60 Stunden Probezeit seien investiert worden. „Das sind alles Leute, die Bock haben.“ Da sei er schon stolz.

Bejubelt wird die Ansprache von Intendantin Solvejg Bauer. „Es war ein unglaublicher Ritt heute Abend.“ Alle hätten an einem Strang gezogen. Die Geschichte von der Liebe, die alles überwindet, sei „gut von der Rampe gekommen“. Oft sei es in den Vorbereitungen „eng und stressig“. Sie empfinde „tiefste Dankbarkeit“. Baff sei sie, welch hohes künstlerisches Niveau erreicht werde. „Und jetzt tanzen, essen und trinken wir – ich glaube, das haben wir uns verdient.“

Bericht von der Mitgliederversammlung am 13.6.2023

Mehr Geld von den Freunden der Festspiele
Förderverein übergibt insgesamt 10.000 Euro 
Neue Broschüre zum 40-jährigen Bestehen vorgestellt

von Ulrich Krawutschke, entnommen aus den BNN vom 14.6.2023

Ettlingen. Das 40-jährige Bestehen der Freunde der Schlossfestspiele ist das Hauptthema der Mitgliederversammlung im Ettlinger Schlosshof gewesen. Vorsitzender Patrick Ertel ging kurz auf die Gründung der Festspiele ein, die auf Initiative von Erwin Vetter und Staatsschauspieler Kurt Müller-Graf ins Leben gerufen wurden und vor 44 Jahren, am 21. Juli 1979, mit Shakespeares „Der widerspenstigen Zähmung“ ihre erste Vorstellung hatten. Knapp vier Jahre später, am 21. März 1983, wurde im Gasthaus Sonne der Freundeskreis gegründet, mit Paul Klahr als Vorsitzendem und Leo Romig und Josef Werner als dessen Stellvertreter.

Der Verein hatte und hat das Ziel, die Schlossfestspiele dauerhaft zu sichern und sie in der Stadt auf breiter Basis zu verankern. Die Geschichte der Festspiele und der Freunde findet sich im Detail auch in der neuen Broschüre der Festspielfreunde, die Ertel den rund 130 Mitgliedern und Gästen im Schlosshof vorstellte und die es auch schon beim Theaterfest am Samstag gegeben hatte. Ein Beitrag der Freunde ist die finanzielle Unterstützung der Festspiele. In normalen Jahren bisher mit 5.000 Euro für das Hauptstück und 1.000 Euro für das Kinderstück. Zum 40-Jährigen wurden die Beträge auf 7.500 und 2.500 Euro, also insgesamt 10.000 Euro, aufgerundet.

Die Schecks übergaben Ertel und seine Stellvertreterin Frauke Offele an Intendantin Solvejg Bauer und Spielleiter Christian Stadlhofer. Offele erläuterte den Besuchern, dass es auch 2023, wie seit 2019 mit Antritt von Intendantin Bauer, einen Förderpreis für Nachwuchstalente geben wird, der sich aus Spenden der Mitglieder finanziert, zumindest aber 1.000 Euro betragen soll. Notfalls wird dieser Betrag aus dem Etat der Freunde aufgestockt.

Vorsitzender Ertel sah bei der Mitgliederzahl wieder eine erfreuliche Entwicklung: Während Corona war die Zahl deutlich unter 600 gefallen und liegt inzwischen wieder bei 630 mit steigender Tendenz. Schatzmeister Willi Brisach wünscht sich angesichts steigender Kosten und stagnierender Einnahmen ein Plus bei den Mitgliedsbeiträgen und forderte die Besucher auf, neue Mitglieder zu werben.

Viel Beifall für die neuen Stühle im Schlosshof.

Intendantin Bauer hob „in Zeiten, die für Kultur schwerer geworden sind“ die Unterstützung der Freunde als wichtigen Partner hervor und dankte für die Spenden. Das Geld helfe, „den Mut für Neues lebendig zu halten“. Sie stellte kurz die Produktionen der laufenden Spielzeit vor und bekam auf die Frage „Sitzen Sie bequem?“ viel Beifall der Besucher ob der neuen Stühle und des verbesserten Aufgangs auf der Tribüne. Ehe vom Ensemble zum Abschluss der Versammlung viel beklatschte Musikszenen aus dem Musical „Soho Cinderella“ geboten wurden, führte Stadlhofer in das Musical, eine deutschsprachige Erstaufführung, ein. Im Anschluss gab es noch eine Geburtstagsparty vor dem Schloss beim von Erbprinz-Chef Bernhard Zepf zur Verfügung gestellten Zelt mit Lounge.

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