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Vorschau auf 2026

aus den BNN vom 18.11.25 von Swantje Huse

So viel Lob wie selten zuvor

Scheidende Schlossfestspiel-Intendantin präsentiert die neue Spielzeit im Gemeinderat Ettlingen. Es war kein Hauch von Abschied, sondern schon ein ordentlicher Wind, der durch den Bürgersaal des Rathauses geweht hat: Dabei hat Schlossfestspiel-Intendantin Solvejg Bauer noch eine Saison vor sich. Aber eben nur noch diese eine. Dann übernimmt der im Sommer gewählte neue Intendant Carsten Lepper das kulturelle Flaggschiff. „Es ist mein letztes Mal, dass ich hier sprechen darf, und mein letzter Spielplan, den ich vorstelle“, leitete eine sichtlich emotionale Solvejg Bauer ihren Redebeitrag ein, in dem sie auch immer wieder einen Blick zurück auf die vergangenen sieben Jahre ihrer Intendanz warf. Und so ist auch das Programm genau das: ein Abschiednehmen mit Ausblick auf einen Neubeginn. „The In-Beetween“, das Dazwischen oder die Zwischenräume, sind das Motto dieser letzten Spielzeit. Zum einen, so Bauer, widmen sich die Stücke dem Wandel der Zeit. „Zum anderen bündeln sie alles, was wir in den letzten Jahren aufgebaut haben.“ Beispiel „West Side Story“. Bauer war seit Jahren dran, das Musical nach Ettlingen zu holen. Jetzt, nach sieben Jahren, hat es funktioniert. Sie ist überzeugt: „Wir haben das Stück nur erhalten, weil wir uns viel Vertrauen aufgebaut haben.“ Was sich auch in den Publikumszahlen widerspiegelt: Als Bauer die Intendanz der Schlossfestpiele übernommen hat, kamen pro Saison 30.000 bis 35.000 Besucher. Jetzt liegt das Open-Air bei 50.000 bis 55.000 Besuchern. Ein Vertrauen, das sich auch im Landeszuschuss wiederfinde, so Bauer: Der war zuletzt von 130.000 auf 350.000 Euro mehr als verdoppelt worden. Der von Bauer etablierte Bürgerchor sowie der Kinderchor sollen in der Carmina Burana ihre Auftritte bekommen, während mit der Wiederaufnahme der Michael-Jackson-Popshow „Black or White“ die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Popakademie gefeiert wird. Auch die anderen Stücke vereinen wahlweise ehemalige Talente (Große Operngala, Kinder- und Jugendstück) oder setzen den mit dem diesjährigen Jugendstück neu eingeschlagenen Weg des Diskurses weiter fort („Hin und Her“). Und so lautete Bauers Fazit: „Die Schlossfestspiele stehen sehr gut da. Ich kann sie mit einem guten Gefühl an meinen Nachfolger übergeben.“ Dieser letzte Auftritt im Gemeinderat war nicht nur für die scheidende Intendantin emotional, „sondern auch für uns“, erklärte Elke Werner im Namen der CDU-Fraktion und lobte vor allem die Entwicklung der Besucherzahlen. Lob für die Besucherzahlen sowie die Finanzentwicklung gab es auch von Christa Becker-Binder (Grüne). „Wir unterscheiden uns gravierend von ähnlichen Veranstaltungen in der Region, das haben Sie erreicht. Danke.“ Sie freue sich über das Motto und auf die „hochspannende Stückauswahl“, fiel Birgit Eyselen (FE/FW) in den Chor ein, während Kirstin Wandelt (SPD) erklärte, sie gehe „mit einem lachenden Auge wegen der Stücke, aber mit einem weinenden Auge wegen des Weggangs“ in die neue Spielzeit. Während Walter Armbruster für die AfD lediglich Zustimmung signalisierte, kommentierte Rainer Kunz (FDP) abschließend: „Sie machen diese Stadt richtig froh und bekannt.“

Nach dem Applaus kommt der Abbau

Aus den BNN vom 21.8.2025 von Philipp Kungl

Jede Menge zu tun und nur wenig Zeit: Die Schlossfestspiele räumen das Feld für das nächste Großevent.

Der letzte Ton ist gesungen, die letzte Note gespielt, der letzte Schritt getanzt und der letzte Applaus gespendet: Unter die sehr erfolgreiche Spielzeit 2025 der Schlossfestspiele Ettlingen kann ein Strich gezogen werden. Zumindest seitens der Zuschauer. Hinter den Kulissen geht die Arbeit erst mal noch weiter. Dieser Tage steht der Abbau an. Und der hat es durchaus in sich.
„Wir haben ein enges Zeitfenster. In dieser Woche muss der Hof komplett freigemacht werden“, sagt Christian Held. Er ist bei den Schlossfestspielen der Leiter für Technik und Bühnenbau und damit auch für die Koordination des Abbaus zuständig. Der Zeitdruck entsteht durch das nächste Großevent in Ettlingen. Von Freitag, 29. August, bis Sonntag, 31. August, steigt in der Altstadt das Marktfest, und im Schlosshof wird traditionell die „Europäische Meile“ der Partnerstädte aufgebaut. Entsprechend darf dort von den Festspielen nichts mehr übrig bleiben.
Zunächst geht es Held zufolge an das Bühnenbild. „Das ist wahnsinnig viel Material“, berichtet der 47-Jährige. Was davon noch gebraucht werden kann, werde fürs nächste Jahr im Ettlinger Bauhof eingelagert. Treppen und Türrahmen könnten etwa gut wiederverwendet werden.
Und wie sieht es mit dem umgekippten, verrosteten Eiffelturm aus, der in der Oper „La Bohème“ für eine düstere Zukunftsvision von Paris sorgte? „Der wird zunächst zerlegt“, erklärt Held. Die Wellblechwände und die Bögen könne man eventuell für die „West Side Story“ gebrauchen, so der Technische Leiter. Das Musical steht als erstes Stück bereits für das Programm 2026 fest.
Nach zwei Spielzeiten ausgedient haben dagegen die Tore von „Evita“. „Das Holz spaltet sich inzwischen, deswegen werden sie vernichtet“, sagt Held. Was letztlich weggeworfen wird, das werde immer genau geprüft. Denn die Theater in der Region arbeiten Held zufolge eng zusammen, auch, was den Austausch von Material angeht. So liehen die Schlossfestspiele etwa Kostüme in Karlsruhe aus.
Nach dem Bühnenbild baut eine Fremdfirma Licht und Technik ab, so Held. Ab Donnerstag nähmen sich Fachleute dann die Tribüne vor und schließlich das inzwischen charakteristische Runddach. „Im Prinzip läuft es also genau andersherum als beim Aufbau“, meint Held. Für Technik, Tribüne und Dach seien rund 30 Mitarbeiter von drei Firmen im Einsatz.
Und dies mit schwerem „Geschütz“. Schon am Montag sind die ersten Hebebühnen im Schlosshof sichtbar. Mit Gabelstaplern werden die Teile dann in Lkw geladen. „Dafür werden die Plätze vor dem Schloss zeitweise auch abgesperrt“, informiert Held. Neben den Fachfirmen kann er auf einen Pool aus etwa 30 studentischen Hilfskräften zurückgreifen, die beim Abbau mit anpacken. „Auch das hat sich schon gut eingespielt“, so der 47-Jährige.
Entsprechend dürfte der Schlosshof bis Anfang nächster Woche wieder vollkommen „nackt“ sein – und vielen Menschen dann deutlich kleiner vorkommen. „Das ist ein erstaunliches Phänomen hier“, findet Held. „Der Schlosshof wirkt leer viel kleiner. Erst mit Dach und Tribüne breitet er sich aus.“ Apropos ausbreiten: Auch im Schloss steht noch einiges Material der Festspiele, denn dort befindet sich der Backstage-Bereich. Für dessen Abbau habe man aber glücklicherweise mehr Zeit, erklärt Christian Held: „Das Museum im Schloss macht zwei Wochen Urlaub.“

Ein neuer Rekord – mehr als 54.000 Zuschauer

Aus den BNN vom 19.8.2025: „Nicht nur der King of Pop zieht die Massen an“ – von Philipp Kungl

Schlossfestspiele Ettlingen verzeichnen mit mehr als 54.000 Zuschauern einen neuen Rekord.
Als Fan des King of Pop hatte Ettlingens Bürgermeister persönlich einen klaren Favoriten. „Black or White“, die Show mit Songs von Michael Jackson, begeisterte Moritz Heidecker (parteilos) bei den Schlossfestspielen 2025 ganz besonders. Aber auch aus Sicht der Stadt war der Beigeordnete voll des Lobes. „Eine grandiose Spielzeit liegt hinter uns“, sagte er bei der Bilanzpressekonferenz. „Wir sind stolz.“
Stolz vor allem auf einen neuen Zuschauerrekord. Rund 54.000 Menschen besuchten die Veranstaltungen der Festspiele und damit noch mehr als beim bisherigen Rekord vor zwei Jahren. Mit einem wichtigen Unterschied: Im Gegensatz zu 2023 wurde das Budget eingehalten. Wegen Mehreinnahmen durch Sponsoren und Kartenverkäufe können die städtischen Zuschüsse sogar reduziert werden.
Von einem „Spitzenergebnis“ sprach denn auch Intendantin Solvejg Bauer in ihrer vorletzten Spielzeit, die „sehr herausfordernd“ gewesen sei. Dies vor allem durch so manche Wetterkapriole, die Ensemble, Technik und Zuschauer auf die Probe stellte. Trotz Hitze, Starkregen und stürmischer Abende blieb das Publikum den Schlossfestspielen treu. Die Gesamtauslastung lag bei 89 Prozent. „Und wir konnten alle Vorstellungen spielen und beenden“, so Bauer.
Besonders freute sie sich, dass mehr Jugendliche in den Schlosshof gelockt werden konnten. Dies gelang etwa mit dem Jugendstück „Sind wir was wir sind“, das besonders bei Schulklassen beliebt war und mehr als 1.000 Zuschauer verzeichnete.
Kassenschlager mit über 16.000 verkauften Karten war das Familienstück „Pippi in Taka-Tuka-Land“. Und auch die Zusammenarbeit mit der Popakademie Mannheim zahlte sich wieder aus. Die Michael-Jackson-Hommage „Black or White“ war bei 15 Vorstellungen plus Zusatzshow fast immer ausverkauft und erzielte eine Auslastung von 99,8 Prozent. Startschwierigkeiten hatte dagegen die Wiederaufnahme des Musicals „Evita“. „In Ettlingen ist man es gewohnt, jedes Jahr ein neues Musical zu sehen“, meinte Solvejg Bauer. Als sich dann herumgesprochen habe, dass es eine neue Besetzung gibt, kamen die Zuschauer doch. Etwa 7.100 wollten das Stück um die argentinische Präsidentengattin sehen.
Etwas weniger als die Oper „La Bohème“ (rund 7.500 Zuschauer). Die Auslastung von 75,6 Prozent sei beachtlich für eine Oper, meinte Bauer. Den Erfolg führte sie unter anderem auf die moderne Inszenierung zurück. „Oper muss man auch für junge Menschen öffnen.“ Sich also verabschieden von hochintellektuellen Interpretationen hin zu Fragen, die die Menschen bewegen. Bei „La Bohème“ ist es das (Über-)Leben der Protagonisten in einer dystopischen Welt, in der Ressourcen versiegt sind. Dies reiht sich ein in das Thema der Spielzeit, „Bodybilder“. In allen Produktionen ging es um Fragen der Sichtbarkeit, um Vielfalt von Körperbildern und den Kampf gegen Zuschreibungen. Sommertheater bedeute nicht, dass man nur Mainstream und leichte Unterhaltung spielen könne, meinte Bauer. Sehgewohnheiten herauszufordern, den Transfer dorthin zu schaffen, was die Menschen heute bewegt – daran arbeite das Festspiele-Team mit viel Herzblut.
Und natürlich auch der kaum mehr wegzudenkende Bürgerchor. „Es ist toll, wie die Menschen sich beteiligen“, sagte Bauer. Einigen Besuchern nachhaltig im Gedächtnis geblieben sind etwa zwei ältere Mitglieder des Bürgerchors, die mit schauspielerisch-tänzerischen Nebenrollen sogar in „Black or White“ glänzten. Zufrieden zeigte sich Bauer unterdessen auch mit der Musical- und Operngala (82 Prozent Auslastung) sowie dem Gastspiel Titanic (77 Prozent). In der Stadt seien die Festspiele zudem mit zahlreichen Sonderveranstaltungen wie dem Theaterfest oder spontanen Flashmobs regelmäßig präsent gewesen. Dies alles locke nicht nur Besucher aus Ettlingen an. „Es kommen auch viele von außerhalb, etwa aus Karlsruhe“, leitete die Intendantin aus den Zahlen ab. So erfolgreich soll es nun auch im nächsten Jahr, in ihrer dann letzten Spielzeit, weitergehen. Unter anderem mit dem Musical „West Side Story“, für das Ettlingen endlich die Rechte bekommen hat. Doch jetzt sei für das Team erst mal etwas Ruhe angesagt, so Bauer. „Wir sind alle urlaubsreif.“

Fast immer ausverkauft war die Michael-Jackson-Show „Black or White“ in Kooperation mit der Popakademie Mannheim. Mehr als 12.000 Menschen wollten das Stück mit den Songs des King of Pop sehen. Foto: Oliver Thom

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