Aus den BNN vom 21.8.2025 von Philipp Kungl

Jede Menge zu tun und nur wenig Zeit: Die Schlossfestspiele räumen das Feld für das nächste Großevent.

Der letzte Ton ist gesungen, die letzte Note gespielt, der letzte Schritt getanzt und der letzte Applaus gespendet: Unter die sehr erfolgreiche Spielzeit 2025 der Schlossfestspiele Ettlingen kann ein Strich gezogen werden. Zumindest seitens der Zuschauer. Hinter den Kulissen geht die Arbeit erst mal noch weiter. Dieser Tage steht der Abbau an. Und der hat es durchaus in sich.
„Wir haben ein enges Zeitfenster. In dieser Woche muss der Hof komplett freigemacht werden“, sagt Christian Held. Er ist bei den Schlossfestspielen der Leiter für Technik und Bühnenbau und damit auch für die Koordination des Abbaus zuständig. Der Zeitdruck entsteht durch das nächste Großevent in Ettlingen. Von Freitag, 29. August, bis Sonntag, 31. August, steigt in der Altstadt das Marktfest, und im Schlosshof wird traditionell die „Europäische Meile“ der Partnerstädte aufgebaut. Entsprechend darf dort von den Festspielen nichts mehr übrig bleiben.
Zunächst geht es Held zufolge an das Bühnenbild. „Das ist wahnsinnig viel Material“, berichtet der 47-Jährige. Was davon noch gebraucht werden kann, werde fürs nächste Jahr im Ettlinger Bauhof eingelagert. Treppen und Türrahmen könnten etwa gut wiederverwendet werden.
Und wie sieht es mit dem umgekippten, verrosteten Eiffelturm aus, der in der Oper „La Bohème“ für eine düstere Zukunftsvision von Paris sorgte? „Der wird zunächst zerlegt“, erklärt Held. Die Wellblechwände und die Bögen könne man eventuell für die „West Side Story“ gebrauchen, so der Technische Leiter. Das Musical steht als erstes Stück bereits für das Programm 2026 fest.
Nach zwei Spielzeiten ausgedient haben dagegen die Tore von „Evita“. „Das Holz spaltet sich inzwischen, deswegen werden sie vernichtet“, sagt Held. Was letztlich weggeworfen wird, das werde immer genau geprüft. Denn die Theater in der Region arbeiten Held zufolge eng zusammen, auch, was den Austausch von Material angeht. So liehen die Schlossfestspiele etwa Kostüme in Karlsruhe aus.
Nach dem Bühnenbild baut eine Fremdfirma Licht und Technik ab, so Held. Ab Donnerstag nähmen sich Fachleute dann die Tribüne vor und schließlich das inzwischen charakteristische Runddach. „Im Prinzip läuft es also genau andersherum als beim Aufbau“, meint Held. Für Technik, Tribüne und Dach seien rund 30 Mitarbeiter von drei Firmen im Einsatz.
Und dies mit schwerem „Geschütz“. Schon am Montag sind die ersten Hebebühnen im Schlosshof sichtbar. Mit Gabelstaplern werden die Teile dann in Lkw geladen. „Dafür werden die Plätze vor dem Schloss zeitweise auch abgesperrt“, informiert Held. Neben den Fachfirmen kann er auf einen Pool aus etwa 30 studentischen Hilfskräften zurückgreifen, die beim Abbau mit anpacken. „Auch das hat sich schon gut eingespielt“, so der 47-Jährige.
Entsprechend dürfte der Schlosshof bis Anfang nächster Woche wieder vollkommen „nackt“ sein – und vielen Menschen dann deutlich kleiner vorkommen. „Das ist ein erstaunliches Phänomen hier“, findet Held. „Der Schlosshof wirkt leer viel kleiner. Erst mit Dach und Tribüne breitet er sich aus.“ Apropos ausbreiten: Auch im Schloss steht noch einiges Material der Festspiele, denn dort befindet sich der Backstage-Bereich. Für dessen Abbau habe man aber glücklicherweise mehr Zeit, erklärt Christian Held: „Das Museum im Schloss macht zwei Wochen Urlaub.“